Und wenn dann die Wahrheit zum Gefängnis wird

Am Morgen des 12 Juli 2007 werden 12 irakische Männer durch 30 mm Geschosse von zwei Apache-Helikoptern des US-Amerikanischen Militärs auf offener Strasse exekutiert. Darunter befinden sich 2 Journalisten und zwei Kinder. Mitte März 2010 wird Julian Assange, dem Gründer und Sprecher der Enthüllungsplattform Wikileaks, das geheime Dokument und Aufzeichnungen des Kriegsverbrechens der Amerikanischen Soldaten zugespielt. Von da an beginnt eine Hexenjagt auf einen investigativen Journalisten, der abscheuliche Verbrechen und viele andere geheimgehaltene Dokumente der Amerikanischen Regierung, publik machte.

In Amerika droht ihm aufgrund dieser Veröffentlichung ein Strafprozess, den ihn bis zu 175 Jahr in Gefängnis bringen könnte.

Nachdem Julian Assange im Sommer 2010 nach Schweden reiste, waren die Medien plötzlich überwuchert von Schlagzeilen, die ihm der Sexuellen Vergewaltigung schuldig machten. Das komische daran ist, dass es nie Vergewaltigungsvorwürfe gab, nie eine Strafanzeige gemacht wurde und dass sich Assange vor dem schwedischen Gesetz, nie dazu äussern konnte.

Am 10. August dieses Jahres forderte lediglich eine Frau in Begleitung einen HIV-Test von Assange, dass sie mit ihm ungeschützen Sexualverkehr hatte. Die Aussage der Frau wurde umgeschrieben und noch am selben Abend erschienen die Schlagzeilen in schwedischen Boulevard Zeitungen.

Während Schweden einige Zeit später doch einen Internationalen Haftbefehl gegen Assange erliess, befand er sich schon in Grossbritannien und weigerte sich einer Stellung vor dem schwedischen Gericht, da er eine Auslieferung an die USA befürchtete. Normalerweise würde ein Staat in so einem Fall versichern dies nicht zu tun, wodurch Assange rechtlich abgesichert gewesen wäre. Da er diese Versicherung der “Nicht-Auslieferung” nie bekommen hat und ihm das Vereinigte Königreich mit einer Überstellung nach Schweden drohte, flüchtete er in die Ecuadorianische Botschaft, wo er politisches Asyl zugesprochen bekam. Eingepfercht in einer kleinen Wohnung der Botschaft lebte Assange sieben Jahre unter ständiger Überwachung einer Sicherheitsfirma, die, wie man später herausgefunden hat, im Auftrag der USA agierte. Durch erhöhten Druck seitens Grossbritannien wird ihm im Mai vergangenen Jahres, die ecuadorianische Staatsbürgerschaft entzogen. Er wird zu 50 Wochen Gefängnisstrafe verurteilt, da er sich auch dem Britischen Gesetz entzogen hatte.

„In 20 Jahren Arbeit mit Opfern von Krieg, Gewalt und politischer Verfolgung habe ich noch nie erlebt, dass sich eine Gruppe demokratischer Staaten zusammengeschlossen hat, um ein einzelnes Individuum so lange Zeit und unter so wenig Berücksichtigung der Menschenwürde und der Rechtsstaatlichkeit bewusst zu isolieren, zu dämonisieren und zu missbrauchen”, sagte Melzer. „Die kollektive Verfolgung von Julian Assange muss hier und jetzt enden! ”

Nils Melzer UNO-Sonderberichterstatter für Folter untersuchte nach mehrfacher Aufforderung von Assanges Anwälten seinen Fall. Im Mai 2019 besucht er Assange im Britischen Hochsicherheitsgefängnis Prison Belmarsh und bestätigt, dass sich Assange nach jahrelanger systematischer gerichtlichen Verfolgung, öffentlicher Verhöhnung, offener Anstiftung zur Gewalt und sogar wiederholten Aufrufen zu seiner Ermordung, in einem psychisch kritischen Zustand befindet.

„A dead man can’t leak stuff. This guy’s a traitor, he’s treasonous, and he has broken every law of the United States. […] And I’m not for the death penalty, so […] there’s only one way to do it: illegally shoot the son of a bitch.”- Bob Beckel, Fox Business

Gezielt wurde die Gesellschaft durch die Kraft der Medien geblendet und höchstwarscheinlich hat man zu spät genau hingeschaut um zu verstehen, welch ausgeklügeltem System Assange zum Opfer gefallen ist. Ein Mensch, durch die halbe Welt gejagt und durch den Dreck gezogen wurde, weil er sich das traute, was sich zu wenige Menschen auf diesem Planeten trauen zu tun, nämlich die unschönen Wahrheiten ans Licht zu bringen.

„Stellen Sie sich einen dunklen Raum vor. Plötzlich richtet einer das Licht auf den Elefanten im Raum, auf Kriegs­verbrecher, auf Korruption. Assange ist der Mann mit dem Schein­werfer. Die Regierungen sind einen Moment lang schockiert. Dann drehen sie mit den Vergewaltigungs­vorwürfen den Lichtkegel um. Ein Klassiker in der Manipulation der öffentlichen Meinung. Der Elefant steht wieder im Dunkeln, hinter dem Spotlight. Stattdessen steht jetzt Assange im Fokus, und wir sprechen darüber, ob er in der Botschaft Rollbrett fährt, ob er seine Katze richtig füttert. Wir wissen plötzlich alle, dass er ein Vergewaltiger ist, ein Hacker, Spion und Narzisst. Und die von ihm enthüllten Missstände und Kriegs­verbrechen verblassen im Dunkeln. So ist es auch mir ergangen. Trotz meiner Berufs­erfahrung, die mich zur Vorsicht mahnen sollte.” So schildert Nils Melzer, UNO-Sonderberichterstatter für Folter

Mit letzter Kraft versucht Melzer der Öffentlichkeit die Augen zu öffnen, gestützt von zahlreichen Politikern, Rechtswissenschaftlern, Menschenrechtler und diversen anderen Persönlichkeiten. Nicht nur um das Leiden eines Menschen zu beenden, sondern für den Kampf der demokratischen Meinungs- und Pressefreiheit. Die Freiheit und das Recht, die Grossen dieser Welt an die Öffentlichkeit und zur Rechenschaft zu ziehen für ihre Gräueltaten.

 

Petitionen zur sofortigen Freilassung und der Nicht-Auslieferung sind lanciert.

https://www.asylassange.ch/appell

https://www.change.org/p/verhindert-die-auslieferung-von-julian-assange-an-die-usa

 

 

Textquellen:

https://www.republik.ch/2020/01/31/nils-melzer-spricht-ueber-wikileaks-gruender-julian-assange

https://de.wikipedia.org/wiki/WikiLeaks

https://de.wikipedia.org/wiki/Julian_Assange#Nils_Melzer_zu_dem_Vergewaltigungsvorwurf

https://www.ohchr.org/EN/NewsEvents/Pages/DisplayNews.aspx?NewsID=24665&LangID=E

Fox News’ Bob Beckel Calls For ‘Ilegally’ Killing Assange: ‘A Dead Man Can’t Leak Stuff’, The Huffington Post, 12. Dezember 2010. Abgerufen am 11. Juli 2012.

Bildquelle:

https://i0.web.de/image/590/33657590,pd=2/julian-assange-london-verhaftung-wikileaks-botscha.jpg

 

 

 

 

6 Antworten auf „Und wenn dann die Wahrheit zum Gefängnis wird“

  1. Interessanter Beitrag. Man muss sich schon Gedanken machen, ob diese Staaten wirklich Rechtsstaaten sind. Die Meinungs- und Pressefreiheit sind ein teures Gut, welches es zu schützen gilt. Es muss verhindert werden, dass Staaten oder Institutionen dieses Recht einschränken um ihre Fehler zu vertuschen. Was ich ebenfalls problematisch finde ist, dass Fake-News sehr schnell die Runde machen, vor allem wenn sie möglichst brutal sind. Sie verschwinden z. T. schnell wieder aber sie hinterlassen tiefe Spuren.

  2. Danke für den übersichtlichen und vor allem verständlichen Beitrag.

    «Manipulation der öffentlichen Meinung» trifft die Problematik ziemlich gut. Ich finde es immer wieder schockierend, wie schnell eine Nachricht, unabhängig ob sie wahr oder unwahr ist, sich heutzutage über die sozialen Netzwerke verbreiten kann.
    Fast alle Leute haben darauf Zugriff, aber nur eine Minderheit macht sich Überlegungen dazu oder hinterfragt die Geschichten und Behauptungen, welche veröffentlicht werden.

    In diesem Fall finde ich es abartig, wie Assange für die Wahrheit «bestraft» wird, bzw. wie so viele Menschen mit solch krassen Mitteln versuchen, die grausame Wahrheit zu vertuschen.
    Da frage ich mich schnell mal, in was für einer Welt wir leben…

  3. Der Beitrag zeigt den genauen Ablauf der Ereignisse gut und sehr verständlich auf. Es schockiert mich, dass ein Mensch, der versucht die Wahrheit und die Verbrechen anderer an die Öffentlichkeit zu bringen, so angegriffen wird.
    Den Vergleich mit dem Scheinwerfer und dem Elefanten der Nils Melzer macht trifft es genau. Ich finde es eindrücklich, dass auch Melzer selbst betont, wie er den Gerüchten zuerst glaubte, bevor er genauer hin sah.
    Ich denke, hier kann man gut sehen, wie einfach wir uns von den Medien beeinflussen lassen und einen aufgrund von Informationen verurteilen, die und aufgetischt werden.
    Dass Assange so durch die Welt gejagt und niedergemacht wurde, wo er nur für das richtige einstehen wollte, ist unglaublich…

  4. Leider ist es schon lange bekannt das die, die sich trauen die Wahrheit ans Licht zu bringen meist einen unschönen Abgang machen. In deinem Artikel find ich sehr gut beschrieben wie es
    einem oder mehreren Staaten gelingt durch Medienberichte uns manipulativ auf die falsche Fährte zu bringen, wie das Metzler mit seinem Scheinwerfer Beispiel gut erklärt hatte.

    Es ist so wichtig das es Leute wie Assange und Metzler gibt die uns über die Gräueltaten aufklären Informieren. Denn mit genug Medienaufruhr könnte damit erreicht werden das die Übeltäter zur Rechenschaft gezogen werden.

    Sehr tragisch wie sich der Zustand Assanges verschlechtert hatte ich kann mir gar nicht vorstellen unter was für einer Psychischen Belastung er leidet. Ich hoffe nur schwer das durch die Unterstützung von Metzlers Gefolge wendet sich noch alles zum guten.

    Ich finde es absurd das vor allem die USA die so oft von Pressefreiheit und Meinungsfreiheit reden gleich solche Maßnahmen ergriffen wenn ihr Image durch ihre eigenen Taten geschädigt wird.

  5. Absolut haarsträubend, was Enthüller wie Assange und Whistleblower durchmachen müssen! Für diese Menschen, die keine Angst haben die Wahrheit zu beleuchten, habe ich Hochachtung. Danke fürs wachrütteln, habe das schon wieder verdrängt…
    Hatten seine Enthüllungen des offensichtlichen Kriegsverbrechen überhaupt irgendwelche Konsequenzen für die Täter? Oder wurde er direkt als Staatsfeind angeprangert?

  6. Wir leben tatsächlich in einer Welt, wo man versucht, das richtige zu machen und brutale Wahrheiten ans Licht zu bringen, mit der Hoffnung für eine bessere Zukunft, nur um so grässliche Konsequenzen ertragen zu müssen. Grossen Respekt an die Menschen, die versuchen, uns diese Verhüllte Realitäten zu zeigen.

    Krass, wie schnell sich ein Leben so rasch kippen und man die Masse gegen eine Person wenden kann kann. Von wegen “Freedom”.

    Ich hörte über Assange, doch wusste nicht genau wieso er so berüchtigt wurde. Dein klar verständlicher und sehr spannender Beitrag hat mich mehr über Julian Assange gelehrt und wie Verkehrt diese Realität sein kann.

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