Brandrodung im Amazonas: Wer steckt wirklich dahinter?

Der brasilianische Amazonas-Regenwald steht vor einem alarmierenden Wendepunkt: Laut Moira Birss, Klima- und Finanzdirektorin der Schutzorganisation “Amazon-Watch”, droht das Ökosystem spätestens in den nächsten 5 Jahren zu zerfallen. Doch wer sind die Drahtzieher hinter dieser endlosen Abholzung?
-Quelle CBS News Complicit: The Amazon Fires

Aktuelle Situation

Seit Bolsonaros Amtsantritt wurden bis Ende Juli letzten Jahres 4700 Quadratkilometer Waldfläche gerodet. Das sind 67 Prozent mehr als noch ein Jahr zuvor. Der brasilianische Präsident sieht im Regenwald in erster Linie Landreserve, die gerodet werden kann, um die örtliche Landwirtschaft weiter auszubauen. Die lokalen Grossgrundbesitzer nutzen diese Gelegenheit zur Schaffung zusätzlicher Weide- und Anbauflächen. Angesichts des steigernden Wirtschaftswachstums der letzten Jahre betrachtet Bolsonaro die weitere Expansion der Viehzucht und des Sojabohnenanbaus als nötige Strategie zur Steigerung der örtlichen Exporte und der Wirtschaftsleistung Brasiliens.

Selbst die früheren Präsidenten sind keineswegs zimperlich mit der “grünen Lunge” umgegangen. Während den linksorientierten Regierungen von Lula da Silva und Dilma Rousseff wurden innerhalb von 14 Jahren nicht weniger als 149’000 Quadratkilometer Wald gerodet, gut das Dreieinhalbfache der Fläche der Schweiz. Insgesamt wurden seit den 1970er Jahren rund 800’000 Quadratkilometer also ein fünftel des brasilianischen Amazonasregenwaldes zerstört.

Im August 2019 hat die Feuerrodung in Brasilien ein neues Hoch erlebt. Bilder von riesigen brennenden Waldflächen gingen um die Welt. Einige davon mit natürlichem Auslöser, jedoch der Grossteil von Menschen ausgelöst. Nach etlichen Kritikvorwürfen von allen Seiten erliess Jair Bolsonaro ein 60-tägiges Verbot für das Abbrennen von Waldflächen im Amazonas Regenwald und entsandte tausende Soldaten. Daraufhin nahm die Zahl der Feuer zwar zwischenzeitlich ab, doch kaum war die Frist abgelaufen nahm die Häufigkeit wieder zu.

Die Klimaschützer der Organisation Amazon Watch warnen nun davor, dass der Sommer 2020 noch deutlich schlimmer ausfallen könnte. Bereits in den frühen Januarwochen wurden erneut Feuer im Urwald aufgezeichnet.

Ursache des Problems

Im Jahr 2018 hat Brasilien den bisherigen grössten Soja-Produzenten, die USA, überholt und baut seither die ortsfremden Pflanzen gleich massenweise an. Nicht nur das, auch in der Rinderzucht steht Brasilien an der Spitze und ist für rund einen Fünftel des globalen Rindfleisch Exports verantwortlich.

Die Rinderzüchter werden direkt vom Staat bewilligt, ihre bereits zehntausende Hektaren grossen Farmgebiete auszubauen. Sie begründen es mit sogenannten “kontrolliertern Bränden”. Im Vergleich zu den Viehzüchtern, nagen viele Soja-Bauern regelrecht am Hungertuch und sind noch abhängiger vom Rodungssystem. Die Rechnung ist für sie sehr einfach: keine Rodung = kein Einkommen!

Hinzu kommen die Minenarbeiter: Neben seinem landwirtschaftlichen Wert ist das Amazonas Gebiet nämlich enorm reich an Bodenschätzen und Edelmetallen. Daraus resultiert ein weiterer Teufelskreis. Aufgrund der langen Transportwege des Minenexports werden Siedlungen gebaut, Restaurants und Auto-Werkstätte eröffnet. Lokale die ohne die Waldrodung gar nicht erst existieren würden. Die Bewohner sind gottenfroh, dass sie wenigstens diese Arbeit ausführen können.

Die Absurde Wahrheit

Aus einer mehrjährigen Nachforschung konnte das non-Profit Unternehmen “Amazon-Watch” herausfinden, wer die eigentlichen Drahtzieher hinter dieser stetigen Abholzung sind. Die vier grössten Investoren und Käufer von Produkten aus dem Amazonas-Gebiet stammen tatsächlich aus den USA und oder Europa: ADM, Bunge, Cargill und LDC (Louis Dreyfus Company). 

Weiterführend die Banken und Vermögensverwalter die in den letzen Jahren über eine Milliarde US-Dollar in diese Aktionen haben fliessen lassen. Ebenfalls US-amerikanische und Europäische Unternehmen: BNP Paribas, JPMorgan Chase, Barclays BLC, Bank of America usw.

Nun ist klar, dass die eigentlichen Problemverursacher nicht unbedingt Brasilianer, sondern vielmehr milliardenschwere Unternehmen, meist mit europäischen oder amerikanischen Sitz sind. Absurd aber wahr.

Quellenverzeichnis:

Beitragsbild: https://www.goodfreephotos.com/public-domain-images/wildfire-in-the-forest.jpg.php (creative common license)
NZZ: https://www.nzz.ch/meinung/brasilien-der-amazonas-urwald-im-belagerungszustand-ld.1500509
Die Zeit: https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2020-01/brasilianischer-amazonas-regenwald-braende-anstieg-naturkatastrophe
CBS News Channel: 
https://www.youtube.com/channel/UC8p1vwvWtl6T73JiExfWs1g

 

Mein Material zum Blogbeitrag. Sehr sehenswert!
Gewährt ausführlichen Einblick in die aktuelle Lage im Regenwald.

8 Antworten auf „Brandrodung im Amazonas: Wer steckt wirklich dahinter?“

  1. Sehr toller und spannender Beitrag! Das Thema war ja letztens sehr gross in den Medien und den sozialen Netzwerken mit dem Hashtag #PrayForAmazonas. Ich fand es auch damals schon spannend, wie viele Menschen deswegen erschüttert waren, jedoch nicht über die Ursachen dieser Brände Bescheid wussten. Denn schliesslich ist unser Essverhalten und Fleischkonsum verantwortlich für diese Krise.

  2. Das roden der Regewälder macht mich traurig und ich kann nicht nachvollziehen, dass man die gewünschten Ressourcen nicht auf einem anderen Weg gewinnen kann.
    Es stört mich, dass oft nur die Rede von den Bränden in den Regenwäldern ist.
    Denn auch im Kongo oder selbst in der Arktis brennt es immer wieder.

  3. Ich hoffe durch die Covid-19 Krise gehen die Brände für die Nächsten Jahre wieder ein wenig runter und das ganze Beruhigt sich ein wenig. So das sich die Natur ein wenig erholen kann. Der Amazons sowie auch weitere Regenwälder Brennen des öfteren auch wenn sie als die “Lungen” der Welt angesehen werden.

  4. Echt schade hört diese Waldrodung nicht auf. Dabei sind die Bauern dort auf grosse Felder angewiesen. So kann es nicht mehr weiter gehen.
    Ich habe schon mal in einem Dokufilm gesehen, wie die im Wald lebende Bevölkerung, die indigenen Völker, das Land zu verteidigen versucht. Tatsächlich mit Erfolg, denn in ihren Gebieten gibt es weniger Rodungen, als in benachbarten Stellen. Als Dank dafür bekommen sie Morddrohungen…

  5. Sehr interessanter Beitrag! Ich finde die Rodung der Regenwäldern sehr traurig, vor allem die Folgen, die es für die Tierwelt und das Ökosystem mit sich bringt. Es ist interessant aufgezeigt zu bekommen, wie viel verändert werden müsste, um solche Rodungen zu verhindern. Weil die Rodungen aber so weit weg sind, finde ich das ganze Thema sehr schwer zu fassen und die wirklichen Ausmasse zu sehen fällt mir schwer.

  6. Die Dimensionen der Brandrodung sind kaum vorstellbar. Es ist erschreckend wie die Zahlen um unsere “grüne Lunge” stehen und das es so schwierig ist, die Rodung zu unterbinden, da so viel von ihr abhängig ist. Viele Leute bedauern diese Brände auf Social Media, doch könnten eben diese Personen etwas dazu beitragen, dass sich diese Brände verringern, indem sie bewusster auf ihren Konsum achten. Es ist wirklich schockierend wozu Unternehmen am anderen Ende der Welt im Stande sind.

    Ich finde es sehr spannend, dass du in deinem Beitrag aufzeigst, wer und was für diese Brandrodungen verantwortlich ist und wie die Einheimischen dazu stehen.

  7. Sehr informativer, jedoch für mich emotionaler Blogbeitrag. Ich habe das Thema selbst, sehr stark in den Medien mitverfolgt. Für mich unvorstellbar wie man ein solches Thema so runterspielen kann und es vertuschen will. Ich fand es gut, dass du das Thema nochmals aufgegriffen hast, da ich seit längerem nichts mehr davon gehört habe.

    Die Menschheit zerstört sich selbst und vielen ist das gar nicht bewusst oder werden geblendet durch den enormen Konsum. Wir brauchen die Regenwälder zum überleben, doch wir Menschen zerstören die Grüne Lunge mit unseren eigenen Kräften. Darunter muss die Tierwelt und das Ökosystem leidern.

    Macht und Konsum spielt in der heutigen Zeit eine grosse Rolle. Traurig wie solch grosse Unternehmen, sich alles erkaufen können, sogar unser eigener Lebensraum, die Natur.

  8. Sehr spannender Beitrag , ich finde es immer wieder erschreckend wenn man hört wie viel Fläche jedes Jahr abgeholzt wird.
    Ich denke dieses Problem werden wir immer mehr zu Spüren bekommen und Frage mich auch wie wir dies Lösen werden.

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